Die Via Alpina ist ein bekanntes Weitwegenetz, das den Alpenraum zwischen Italien, Slowenien, Österreich, Deutschland, Liechtenstein, der Schweiz, Frankreich und Monacco erschließt. Dieser Fernwanderweg sollte uns von Triest aus durch den Westen Sloweniens führen sollte. Vom Meer bis in die Alpen: Wunderschön, aber auch anspruchsvoll! Doch warum wählten wir ausgerechnet die Via Alpina und nicht einen der anderen zahlreichen Wanderwege, um die traumhafte Outdoor-Destination Slowenien kennenzulernen?

Der Fernwanderweg Via Alpina verbindet auf über 2.000 km und insgesamt 116 Etappen 8 europäische Länder und ihre Alpen. Wer möchte kann von Triest bis Monacco laufen – von der Adria bis zum Mittelmeer. Der slowenische Abschnitt beginnt in Muggia unweit der Italienisch-Slowenischen Grenze und führt die Wanderer vom Meer bis tief in die Julischen Alpen. Hinaus aus dem quirligen Triest läuft man direkt hinein in das liebliche Alpenvorland. Im Frühjahr wird man von duftenden Wildblumenwiesen und verschlafenen Dörfern begrüßt. Mit einer gängigen Wanderapp kann man dem Via Alpina problemlos folgen. Das Terrain wird in Slowenien schnell alpin und man sollte sich direkt von Anfang an auf einige Höhenmeter einstellen.




Wir sind Ende Mai auf die Via Alpina gestartet. Wir hatten gute 2 Wochen Zeit und erhofften uns angenehme Wandertemperaturen und eine geringe Schneewahrscheinlichkeit in den Julischen Alpen. Wie falsch wir lagen… Prinzipiell sollte Ende Mai / Anfang Juni kein schlechter Zeitpunkt sein, um mit der Via Alpina in Triest zu starten. Besonders wenn man plant den gesamten Fernwanderweg von Italien bis Monacco zu laufen. Dass es 2023 in den Julischen Alpen besonders schneereich sein würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Schon gar nicht, als wir unsere Wanderung am späten Vormittag in Triest starteten. Um von unserem Guesthouse in der Stadtmitte zum Startpunkt der Wanderung in dem kleinen Hafenörtchen Muggia zu kommen, entschieden wir uns die Bucht mit der Fähre zu umfahren. Das erste Schiff legt in Triest um 10 Uhr vormittags ab (Kosten circa € 5,- p. P. inkl. Hund / Stand Mai 2023). Als wir nach einer kurzen Fährfahrt 30 Minuten vor der kleinen Kirche, die den Start des Via Alpina darstellt, ankommen brennt die Sonne bereits vom Himmel. Auf dem steilen Anstieg aus der Stadt heraus werden wir angesprochen, wo genau unser Weg hinführen soll und wie viel Wasser wir dabei haben. Wir sind gerührt von der Empathie, die uns bereits zu Beginn unserer Wanderung am Wegesrand begegnet.
Die Hitze sollte für uns alle eine Herausforderung darstellen. Wir mussten unseren Wanderrythmus unbedingt anpassen. Bereits in den ersten Tagen on Trail stellen wir fest, dass vor allem Jack ernsthafte Probleme mit der Mittagszeit hatte – und diese begann um 10 Uhr morgens und endete um 16 Uhr nachmittags. Die Temperaturen stiegen teilweise so hoch, dass es unmöglich war mit Hund in der Sonne zu wandern. Erst als wir den Alpen näher kamen und an Höhe gewannen, entspannte sich die Situation. Genauer gesagt: Die Julischen Alpen stellten uns plötzlich vor eine unerwartete Herausforderung, die uns zwang unseren Trail maßgeblich anzupassen. Je näher wir dem Triglav Nationalpark kamen, desto klarer wurde es, dass die Schneesituation ein Problem sein würde. Vor unserem letzten Gipfel on Trail wurden wir bereits gewarnt und das nicht ohne Grund. Wir entschieden uns spontan dazu den Crna Prst mit 1.844 hm zu besteigen und von dort aus zu entschieden, ob wir der Via Alpina weiterhin folgen würden. Bereits auf dem Weg zum Gipfel hatten wir unsere ersten Begegnungen überhaupt mit Schneefeldern, die uns Bauchschmerzen bereiteten. Ohne jegliche Erfahrung mit diesen Wetterlagen in den Bergen, entschieden wir uns am Gipfel des Crna Prst wehmütig dafür abzusteigen und die Via Alpina zu verlassen.

Wer der Via Alpina durch Slowenien folgt, wird mit den zahlreichen Highlights belohnt, die dieses kleine, verträumte Alpenland zu bieten hat. Wanderer reisen von weiten Wildblumenwiesen, durch dichte Wälder zu den schroffen Kalkalpen. Am Morgen der dritten Etappe frühstückten wir an den Skocjan Höhlen. Leider konnten wir an keiner Führung zu dem UNESCO Natur- und Kulturerbe teilnehmen (Kosten laut Website € 10-22,-), da Hunde innerhalb der Höhlen nicht erlaubt sind. Allerdings führte unser Weg durch die Schluchten der Skocjan Höhlen, sodass wir diesen magischen Ort wenigstens von außen bewundern konnten.
Sicherlich auch sehenswert und besonders fotogen ist die Burg Predjama an der man unweigerlich vorbeiläuft, wenn man der Via Alpina folgt. Das 800 Jahre alte mittelalterliche Gemäuer gilt als größte Höhlenburg der Welt. Wir genossen den Anblick bei einem leckeren Stück Slowenischen Schichtkuchens, wanderten aber bald weiter, da wir die Menge an Touristen, die sich hier tummelte bereits nicht mehr gewohnt waren.
Als weiteres Highlight entpuppte sich die kleine Stadt in der wir unseren Nuller-Tag verbrachten. Die historisch wertvolle Kleinstadt Idrija kann Interessierten in einem alten Tagebau die ehemalige Quecksilberindustrie der Stadt näher bringen. Wir waren begeistert von der sportlich, jungen Atmosphäre der Stadt und dem freundlichen Empfang im Hostel Idrija. Hier konnten wir problemlos mit Hund ein geräumiges und modernes Doppelzimmer zu einem fairen Preis buchen (tagesaktuelle Preise am besten auf der Website checken). In dem riesigen örtlichen SPAR Supermarkt fanden wir alles Notwendige zum Auffüllen unserer Vorräte.




Was für uns der ausschlaggebende Punkt war, der Via Alpina durch Slowenien zu folgen, waren die sportlichen Höhenmeter und die beeindruckenden Gipfel, die dieser Fernwanderweg versprach. Wir hatten Lust auf eine Herausforderung und wollten die Julischen Alpen kennenlernen. Sicherlich sind die Gipfel Sloweniens nicht mit denen vergleichbar, die auf dem Weg nach Monacco noch folgen sollten. Jedoch gefiel uns die Vorstellung von der Höhe des Meeresspiegels aus, aus eigener Kraft bis in die Alpen zu wandern. Trotzdem wir den Trail vorzeitig verlassen mussten, konnten wir genau beobachten, wie sich die Landschaft Tag für Tag verändert – und das macht diese entschleunigte Art zu reisen doch aus, oder?
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